Von Jürgen König
Außenminister Guido Westerwelle forderte einst von einem britischen Reporter, seine Fragen auf einer Pressekonferenz in Deutschland auch auf Deutsch zu stellen. Nun möchte Westerwelle, dass Deutsch eine Arbeitssprache im Auswärtigen Dienst der EU wird.
Nun endlich begreifen wir, was Guido
Westerwelle umtreibt - nämlich das Schicksal der deutschen Sprache. Bei
seinen Aussagen zu Hartz IV, die so viel Aufsehen und Ärger erregten,
oder seiner Forderung nach Abzug amerikanischer Atomwaffen von
deutschem Boden, die Kritiker für unüberlegt, wenn nicht für peinlich
hielten, scheint es sich nicht wirklich um Herzensanliegen des
Bundesaußenministers gehandelt zu haben; eher wirken sie wie
Pflichtübungen eines Parteivorsitzenden, der weiß, wie man in
Deutschland auf Stimmenfang gehen muss. Eine kleine Prise Populismus
und zumal Antiamerikanismus hat noch nie geschadet. Nein, das wahre
Anliegen von Westerwelle ist der Einsatz für die deutsche Sprache unter
dem schönen Slogan "Deutsch - Sprache der Ideen".
Wir hätten
das eigentlich schon länger wissen können: Schließlich hat Westerwelle
im vergangenen Jahr einen britischen Reporter ungnädig abblitzen
lassen, als der ihn in Berlin auf Englisch fragte und eine englische
Antwort erwartete. Die er bekanntlich nicht erhielt. Wobei bei diesem
Anlass ein grundsätzliches Problem des FDP-Vorsitzenden sichtbar wurde:
Man hat sich fast daran gewöhnt, ablehnend auf ihn zu reagieren, selbst
wenn seine Aussagen bei genauerem Hinschauen eigentlich ganz vernünftig
sind. Es ist die Art, mit der Westerwelle seine Anliegen verficht.
Auch
jetzt versucht der Bundesaußenminister etwas Löbliches durchzusetzen:
Er will erreichen, dass Deutsch im neuen Auswärtigen Dienst der EU als
Arbeitssprache verwendet wird. Bislang sind nur Englisch und
Französisch dafür vorgesehen. Als in den zuständigen EU-Gremien vor
einigen Jahren dieser Sprachenbeschluss zustande kam, muss einer der
Vorgänger von Westerwelle beziehungsweise dessen Ministerialbeamter die
Tragweite der Entscheidung übersehen und zugestimmt haben. Deshalb war
Westerwelle nun gezwungen, einen Brief zu schreiben an Baroness Ashton,
die Außenministerin der EU, mit der Bitte, auch Deutsch in den Rang
einer GASP - sprache zu erheben, der Sprache, die innerhalb der
Bürokratie der "Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik" gesprochen
wird.
Ob Baroness Ashton viel Verständnis hat für die Sorge um
den Rang der deutschen Sprache, darf bezweifelt werden. Dem Vernehmen
nach macht ihr Französisch schon genug zu schaffen. Ohnehin haben die
Briten das Gefühl, dass die Zeit für sie arbeitet und dass sich bald
die Einsicht durchsetzen dürfte, dass es besser sei, nur eine
offizielle Amtssprache zu haben, nämlich Englisch.
Im Brüsseler
Alltag dominiert Englisch ohnehin schon. Die Lingua Franca der Welt zur
einzigen Arbeitssprache zu erklären wäre insofern eine ebenso
praktische wie vernünftige, dazu sparsame Lösung. Es ließen sich
Tausende von Stellen einsparen. Aber Praktikabilität und Vernunft geben
bekanntlich nur selten den Ausschlag. Zumal dann, wenn Frankreichs
Prestige auf dem Spiel steht.
Freiwillig wird Paris niemals
auf eine bevorzugte Stellung von Französisch verzichten. Deshalb ist es
gut, dass ein Politiker wie Westerwelle sich als beredter Advokat der
deutschen Sprache erweist - man darf sicher sein, dass er die
Interessen der 100 Millionen deutschsprachigen Bürger der EU, wenn es
sein muss, kämpferisch vertreten wird. Wir alle sollten es dem
Bundesaußenminister deshalb nachsehen, falls sein Englisch und auch
sein Französisch holprig bleiben sollte. Schließlich kräht bei unseren
großen EU-Nachbarn kein Hahn danach, ob deren Minister Fremdsprachen
beherrschen oder nicht.